#2 | Kroch nach langer Überwindung aus dem warmen Nest und schlich in Stille gehüllt durch die Finsternis, mit dem blassen Leuchten vom Handy die schmale WendeTreppe hoch in mein kleines Büro unterm Dach. Kostete mich über eine Stunde und eine WochenRation an Motivation, aus den warmen Federn empor zu steigen, wo Frau und Kind noch gemütlich schlummerten. Getrieben von düsteren Visionen keimte in mir ein belebender TatenDrang. Hatte Sorge, meine Befürchtungen, die Nazis würden sich wieder vom Mond erheben und über die Erde stapfen, würden sich bewahrheiten. Mit Putin in Russland und Trump in den USA hatten die Welt zwei der ältesten und schlimmsten Faschisten in gefährlich führenden Positionen. Deutschland zog mit der Kombination aus CDU und AfD nach. Noch beteuerte die CDU, eine ZusammenArbeit mit der rechten Partei wäre kein Thema, aber mir war klar, dass die von Anfang an der Plan war. Wäre schließlich nicht das erste Mal und abgesehen sind viele dieser RückGrat kastrierten SteinZeitKreaturen der CDU ganz wild drauf, endlich wieder ganz offen und voller Inbrunst rechts sein zu dürfen. Opa zieht in den Krieg.
Jedenfalls, ich spürte die unaufhaltsamen Flammen der Zerstörung allen uns bekannten Lebens am Horizont flackern und hatte daher keine Wahl, ich musste in aller Frühe auf die Beine kommen, das Inferno abfangen, in der ersten Reihe dieses kafkaesken KammerSpiels Platz nehmen. Ich musste handeln, was in meinem Fall hieß, ich musste schreiben. Radikaler Optimismus, das Gute im Menschen, die Natur selbst musste bewahrt werden, ein Netz aus Menschlichkeit galt es aufrecht zu halten, zu verteidigen. Es galt einzig zu überleben. Für unsere Familien, unsere Kinder, und mit etwas Glück auch für uns selbst. Obwohl ich mir zu jenem Zeitpunkt, die BundestagsWahl 2025 lag gut 4 Wochen zurück, keine große Hoffnung mehr machte noch irgendwas von dieser Gesellschaft zu erwarten. Letztlich waren wir WildFänge in einem Konstrukt Wahnsinniger, denen wir viel zu viel Macht über den Planeten gegeben hatten. Und nun bastelten diese Gestalten stümperhaft an der Realität herum, zerfiktionierten Fakten und fütterten ihre ZombieHorden an Gefolgschaft mit billigen Phrasen. Systematisch infizierten sie die Jugend mit dem Hass und dem Drang zur SelbstZerstörung. Wie dumm. Die jungen Rechtsradikalen merken gar nicht, wie sie zu BauernOpfern alter, wirrer Säcke geworden sind. Traurig. Aber auch nichts neues.
Als ich ein kleines Kind war, hatten wir den dicken Kohl als Kanzler, irgendwie witzig, mit seinem SprachFehler, seiner FettKrötenOptik. Eigentlich ein bemitleidenswertes Wesen, irgendwie wie eine billige ComicFigur. Und mit seiner Sabotage gegenüber der GlasFaserUmstellung in Deutschland hat er zum Stillstand der Republik seinen Beitrag geleistet. Interessant, dass das einstige Land der Dichter und Denker immer wieder auf schwachsinnige, alte Männer reinfällt. Und nun schon wieder. In den nächsten vier Jahren, wenn es überhaupt so lange dauert, wird es noch viel schlimmer werden. Inflation, Armut, die alten Säcke beuten die Bude nochmal richtig aus, bauen sich Pyramiden und dann ab ins Jenseits uns bleiben dann nur noch die Ruinen.
Dabei hätte Deutschland die Gelegenheit gehabt, endlich die Schande der letzten hundert Jahre wieder gut zu machen. Zum Symbol für MultiKulti zu werden, für die Zukunft. Wir hätten aus der Bundesrepublik die Bunte Republik machen können, scheiß auf Schwarz Rot Gold und her mit allen Farben des Farbkreises. AfD sagt Deutschland aber normal oder ein Deutschland, auf das wir wieder stolz sind… oder war das die CDU? Egal, eh das gleiche. Jedenfalls, ein Deutschland, auf das ich stolz wäre, mein Deutschland, hat eine weiße Flagge auf dem der Farbkreis ist - wäre übrigens auch eine Hommage an den dicken Goethe, der, wie ihr wisst, den Farbkreis erfunden hat. Mein Deutschland erinnert sich an seine Geschichte, dass es MultiKulti war und ist, was dieses Land groß gemacht hat, bunt, offen, frei. Deutschland ist eine Kreuzung wo sich die Welt trifft. Hier ist die Grenze zwischen Ost und West, zwischen Nord und Süd. Hier vermischen sich die unterschiedlichen Kulturen, hier vereinen sie sich. Meine Fresse, sollen die Bayern ihr Oktoberfest halt behalten und gut ist, aber was bleibt denn übrig, wenn man Fresserei und Lederhosen abzieht, was ist denn dann noch jenes KulturGut, von dem die Faschos reden? Traurige, unrhythmische Lieder wie Winter Ade oder was? Nein, deutsche Kultur ist eine Kultur des Fortschritts, der Kreativität, der Individualität.
Wie so oft ließ ich mich an jenem nächtlichen Morgen von dieser globalen, kollektiven Stimmung verleiten. Eine gefühlte Ewigkeit stapfte ich, so leise ich konnte, denn die Familie schlief schließlich unten noch friedlich, die Glücklichen, umher und steigerte mich in schier blankes Aufregen rein. Dabei sollte mein Fokus und meine Energie eigentlich bei meiner Arbeit liegen. Also atmete ich tief durch und setzte mich an den Auftrag, den es zu erledigen galt. Dieser bestand darin, einen Artikel über ein Attentat zu schreiben, welches sich kürzlich ereignete. Ein AutoFahrer raste in eine FußGängerZone. Menschen wurden verletzt, Menschen starben. Täter war ein Deutscher. Daher war die mediale Aufmerksamkeit minimal. 2025 war eine Zeit, in der die Medien das rechte Gedankengut stark unterstützten. Wenn Jamal, ein Igbada oder Muhammed Amok läuft, wird es in den Nachrichten ausgeschlachtet. Die bösen Ausländer haben mal wieder unser gutes, altes Deutschland attackiert. Aber dieses Mal war der Täter ein Jens, Michael oder Stefan und das kann schonmal passieren. Außerdem kam noch dazu, dass ein Muhammed sich dem Täter in den Weg stellte und somit vermutlich zahlreiche Leben rettete. Ein Ausländer, der sich heldenhaft verhält darf es im Deutschland des Jahres 2025 nicht geben. So etwas absurdes, das Märchen vom gutmütigen Ausländer. Tatsächlich hat sich Muhammed, vom Beruf Taxifahrer - muss man sich mal vorstellen, ein Ausländer der auch noch arbeitet UND Zivilcourage an den Tag legt! - eigentlich zunächst mit seiner Heldentat zurückgehalten. Denn der Täter pflegte mutmaßlich enge Kontakte zur rechtsextremen Szene. Folglich hatte Muhammed Angst vor den Konsequenzen seiner Tat.
Gebt euch das - in Deutschland muss ein Mensch Angst haben, wenn er Leben rettet, nur weil er einen Deutschen von einem Blutband abgehalten hat.
Es waren wirklich schlimme Zeiten, damals im März 2025 und es schien ganz danach, als wäre es erst der Anfang. Dabei hätte Deutschland ein Zeichen setzen können, gegen den rechtskonservativen Aufmarsch und für eine weltoffene Zukunft. Aber nein, mit dem neuen Kanzler Merz und seinem KampfTrupp der AfD standen uns derb finstere Jahre bevor.
Ich recherchierte ein wenig und unter anderem tauchte auf meinem Laptop ein Bild von Friedrich Merz auf. Betrachtete es einen Moment vollster Abneigung. Da hauchte ein grünlicher Nebel über meine Tasten und plötzlich hauchte eine Stimme von meiner Schulter, warum sieht euer Manitu aus wie der alte Fiete?
Und da war sie wieder, die dämonische Katze. Ein weiß leuchtender Geist in Form einer buschigen Katze, umrahmt von orangefarbenen Licht und einem grünen Nebel, der ihre riesigen, grünen Augen flutete. Vor fast einem Monat hatte ich sie aus einem alten Buch befreit, vielmehr einem Manuskript. Dachte erst ich spinne. Denke ich immer noch, um ehrlich zu sein, aber so absurd es klingt, sie war da.
Was meinst du mit Manitu? Und was ist ein Fiete?
Euer neuer StammesFührer, den, über den du die ganze Zeit schimpfst, der Merz, der sieht aus wie der Fiete, so wurde der Frauenmörder Fritz Honka in seiner Stammkneipe, dem Goldenen Handschuh, genannt.
Die GeisterKatze sprang von meiner Schulter und auf den SchreibTisch, tippte auf der Tastatur, begleitet von dem grünen Nebel, und kurz darauf zeigte sie mir Bilder des Hamburger Serienkillers Fritz Honka, der in den Siebzigern mehrere Frauen missbrauchte, ermordete und abermals missbrauchte. Eine verlorene Seele, gefangen in einem furchtbar hässlichen Menschen, der am Ende in seiner eigenen Welt lebte und sich stark fühlte, in dem er Schwache quälte. Faszinierend wie gut das die politischen Führer 2025 beschreibt.
Für einen kurzen Moment stellte ich mir vor, dass Alice Weidel dem Frauenmörder Merz zum Opfer fällt. Gänsehaut überkam mich und ich wischte diesen Gedanken sofort wieder aus meinem Kopf. Doch ich merkte nicht, wie ich ihn wohl leise vor mich her betete. Denn die Katze meinte, interessant….
Und fing an wie wild zu tippen. Was schreibst du da, fragte ich sie, in dem Moment hörte ich allerdings, dass unten jemand wach wurde. Ich wollte noch eine Antwort abwarten, aber mein Sohn rief und die Katze scheuchte mich mit ihrer GeisterPfote weg. Los, los, meinte sie, da schreit jemand nach dir. Und ich habe hier noch was zu erledigen. Also machte ich mich verwundert auf und lief zur Treppe, um Frühstück für den Kleinen zu machen. Dann warf ich noch einen letzten, fragenden Blick zu der Katze.
Die war wild am schreiben. Ihre Pfoten flogen über die Tastatur.
Dabei hatte sie ein furchteinflößendes Grinsen im Gesicht.